Geschlechter-Drama vom Allerfeinsten!
Laienschauspielgruppe des FC 07 Heidelsheim lässt Zuschauer zu Mäuschen im Midlife-Crises-Alltag geplagter Ehefrauen und Ehemänner werden.
Was wäre sein Leben ohne Fleischkäs`? 1,9 Tonnen hat er in 45 Jahren schon verputzt. Wert: 30.000 Euro. Eine Delikatesse, die Hans-Joachim Metzger (Bernd Feßenbecker) alles andere vergessen lässt. Oder übersehen. Selbst als seine resolute Gattin Margarethe (Petra Haugl) mit grünen Haaren nach Hause kommt. Reaktion: null. Ob ihm gerade jetzt an ihr oder zuhause nichts auffalle, will sie wissen? HaJo grübelt und grübelt. „Ja, im ganzen Haus gibt es keinen Fleischkäs` mehr“, so seine Antwort.
Keine Frage: Es ist Januar. Es ist wieder Theaterzeit beim FC 07 Heidelsheim. „Fleischkäs` und rote Strapse“ heißt es heuer vor ausverkauftem Haus. Binnen zwei Wochen tagtäglichen Probens hat die Laienschauspielgruppe des FCH ein Geschlechter-Drama mit feinsinnigem Humor und herrlichen Frauen-Männer-Klischees auf die Bühne gestellt und gezaubert. Über drei Stunden Spaß und fröhlich-intensives Training sämtlicher Lachmuskeln.
Apropos Bühne: Auch für den Bau des Bühnenbilds war nicht viel Zeit. Am 4. Adventssonntag, 21. Dezember, haben Matthias Langer, Pierre Cordier und Martin Schmid losgelegt, damit zum Probenstart am gleichen Abend zumindest ein Grundgerüst stehen konnte. Stück für Stück entwickelten sie es weiter, bauten, malten, dekorierten. Dabei gab es dieses Mal eine besondere Herausforderung, spielt der Drei-Akter von Regina Rösch, die sich mit ihrer Theaterguppe „Böhmenstadel“ aus Triefenstein-Trennfeld (oberhalb von Wertheim) bei der Premierenvorstellung erneut unter das begeisterte Publikum mischte, doch in zwei Wohnungen gleichzeitig. Mittels kleiner, symbolisierter Mauer spicken die Zuschauer mal in die Küche der Metzgers, mal ins Wohnzimmer nebenan der Pfeifers. Eine Herausforderung freilich auch für die Schauspieler. Denn selbst wenn alle Blicke aufs Spiel im hell erleuchteten Zimmer gerichtet sind, müssen die Akteure nebenan im Halbdunkeln pantomimisch weiteragieren. Doch auch diese Herausforderung meistern die Heidelsheimer Mimen ganz ohne Probleme.
Da sitzt Margarethe in ihrer zum Friseursalon umfunktionierten Küche und teilt ihr Männer-Leid mit ihren Freundinnen Hedwig (Evi Hartmann) und Gertrud (Sarah Schmid, grandios binnen einer Woche für die erkrankte Nicole Diefenbach eingesprungen). Frust auf allen Seiten, nichts geblieben von den einst so rassig-scharfen Männern. Und Friseurin Rosi (Andrea Niederelz) bedauert, dass sie damals wohl zu langsam gewesen sein muss, als die Junggesellen vergeben wurden. Nebenan trauern HaJo und seine Kumpels Heinz (Jörg Feßenbecker) und Peter (Julian Dehn) den „Smoke on the water“-Zeiten nach. „Her mit den Weibern, wir legen alle flach!“, singen die Ehemänner. Doch schnell merken sie, dass mittlerweile doch eher Bandscheibe und Sodbrennen dominieren. Dennoch: Sie lechzen nach Abwechslung. Und für die sorgt, man mag es kaum glauben, ausgerechnet der neue Chef des Finanzamts Dr. Dr. Ansgar Müller-Tiefensee(Johannes Durst), assistiert vom Untermieter der Familie Pfeifer, Jérome (Christoph Höchsmann). Nein, da kann selbst der knallharte Polizist (Piero Pignone) am Ende nichts mehr ausrichten.
Es ist kurzweilig. Ein munterer Spaß, den das Ensemble seinen Besuchern zum Start ins neue Jahr schenkt. Eine geschlossene Leistung aller, die Souffleuse Inge Wohlfahrt arbeitslos macht. Gut herausgearbeitete Pointen kombiniert mit perfekter Mimik und unübertriebener Gestik beweisen, dass die Gruppe aufeinander eingespielt ist. Dass sie harmoniert und von Jahr zu Jahr in ihrem schauspielerischen Können gewachsen ist. Alles wirkt echt, völlig authentisch. Ganz so, als wäre der Zuschauer stilles Mäuschen im Alltagswahnsinn der Volksmusik schauenden Ehefrauen und Ehemänner am Rande der Midlife-Crises. Ein stilles Mäuschen, mit diebischer Freude am Treiben auf der FC-Bühne. Komplettiert wurde der FC-Theater-Wahnsinn noch durch die beiden Damen an der Maske Nicole Keller-Klinger und Kathrin-Müller, die für ein glänzendes Aussehen der Schauspieler sorgten. Schon jetzt ist die Vorfreude auf Anfang 2027 im Bruchsaler Stadtteil ganz groß, wenn es dann zum 39. Mal wieder heißt: Vorhang auf für die Laienschauspielgruppe des FC 07 Heidelsheim. (Pib)




